Sucht – der Preis für das schnelle Hochgefühl
- Rene Limberger
- 1. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Wie das Belohnungssystem des Gehirns Abhängigkeit entstehen lässt und warum dieses Wissen für die MPU entscheidend ist
Fast jeder Mensch kennt Momente, in denen er zu etwas greift, das kurzfristig Erleichterung oder Freude verspricht: ein Glas Alkohol nach einem belastenden Tag, die Zigarette in der Pause, ein süßer Snack gegen Nervosität oder das ständige Kontrollieren des Smartphones, um sich abzulenken. Solche Verhaltensweisen sind zunächst menschlich und normal. Sie dienen dazu, Stress abzubauen, unangenehme Gefühle zu dämpfen oder sich zu belohnen. Doch genau hier beginnt der Weg, an dessen Ende eine Abhängigkeit stehen kann.
Die Chemie des Glücks – Wie Dopamin unsere Entscheidungen steuert
Im menschlichen Gehirn arbeitet ein hochsensibles Belohnungssystem, dessen Aufgabe es ist, uns zu motivieren, zu lernen und zu handeln. Immer dann, wenn wir etwas erleben, das uns Freude bereitet oder hilfreich erscheint, wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Dieser wirkt wie ein innerer Motor und löst ein Wohlgefühl aus, das uns bewusst und emotional positiv geprägt bleibt.
Dopamin hat mehrere entscheidende Funktionen: Es erzeugt Vorfreude und lässt uns Ziele verfolgen. Es sorgt dafür, dass wir positive Erfahrungen im Gehirn abspeichern und wiederholen wollen. Es fokussiert unsere Aufmerksamkeit und hilft, durchzuhalten, auch wenn Hindernisse auftreten. Besonders stark wird Dopamin ausgeschüttet, wenn wir Neues ausprobieren oder wenn wir eine Herausforderung erfolgreich bewältigen. Es fördert Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und die Suche nach Alternativen.
Dopamin ist somit ein biochemischer Schlüssel für Glückserleben, Motivation, Lernen und Entwicklung. Doch genau dieser Mechanismus ist auch die Grundlage dafür, dass sich eine Sucht entwickeln kann
Wenn Belohnung zur Falle wird
Problematisch wird es immer dann, wenn Dopamin nicht auf natürliche Weise freigesetzt wird – etwa durch soziale Nähe, persönliche Erfolge, Bewegung oder gesunde Lebensgestaltung –, sondern durch Substanzen oder Verhaltensweisen, die das Belohnungssystem künstlich überreizen. Alkohol, Nikotin, Medikamente, Drogen, aber auch Glücksspiel, exzessive Mediennutzung, ständiges Online-Sein oder sogar übermäßiger Sport können eine extrem starke dopaminerge Reaktion auslösen, die das Gehirn so in der Natur nicht kennt.
Diese Substanzen und Verhaltensweisen überschwemmen das Belohnungssystem mit Dopamin. Das erzeugt ein besonders intensives Hochgefühl – einen kurzen, aber extrem starken Glücksrausch, ohne dass zuvor eine Anstrengung nötig war. Dadurch entsteht die Versuchung, dieses Gefühl immer wieder erleben zu wollen. Doch das Gehirn schützt sich vor Überlastung und gewöhnt sich an die ständige Reizüberflutung. Dadurch wird die Wirkung schwächer. Es braucht mehr, öfter und intensiver, um denselben Effekt zu erreichen.
An dieser Stelle beginnt der Teufelskreis: Die natürliche Dopaminproduktion wird heruntergefahren, die Rezeptoren werden unempfindlicher und der Mensch kann kaum noch normale Freude empfinden. Was früher genügt hat, löst keine Emotionen mehr aus. Ohne das Suchtmittel fühlt sich alles leer, grau und bedeutungslos an. Das Leben verliert Farbe und Bedeutung. Körperliche und psychische Entzugssymptome setzen ein. Der Konsum dient nicht länger dem Genuss, sondern der Vermeidung von Leid.
Der Weg in die Abhängigkeit
Sucht entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise. Am Anfang steht der neugierige Erstkontakt und das positive Erlebnis. Dann wird der Konsum gezielt als Belohnung eingesetzt. Später dient er dazu, negative Gefühle zu überdecken oder Probleme auszublenden. Schließlich wird er zur automatischen Gewohnheit, bis schließlich ein Zwang entsteht, bei dem das Suchtmittel zum wichtigsten Lebensinhalt wird.
Es bleibt nicht bei einem Glas Wein, einer Zigarette oder einer Runde am Spielautomaten. Es werden mehr. Immer schneller. Immer stärker. Der Mensch verliert immer mehr die Kontrolle und das Suchtmittel übernimmt das Kommando.
Psychische und körperliche Abhängigkeit
Sucht hat immer zwei Ebenen. Bei der psychischen Abhängigkeit entsteht ein erlerntes Verlangen: Schon ein bestimmter Ort, eine Situation, ein Konflikt oder sogar ein Geruch kann das intensive Verlangen nach Konsum auslösen. Dieses Suchtgedächtnis bleibt dauerhaft bestehen und kann auch nach Jahren der Abstinenz Rückfälle auslösen.
Bei der körperlichen Abhängigkeit hat sich der Stoffwechsel so stark angepasst, dass der Körper das Suchtmittel benötigt, um sich stabil zu fühlen. Bleibt es aus, kommt es zu körperlichen Symptomen wie Unruhe, Zittern, Schwitzen, Schlaflosigkeit, Herzrasen oder Angstgefühlen. Der Konsum dient dann nur noch dazu, sich „normal“ zu fühlen.
Die ICD-10-Kriterien der Abhängigkeit
Von einer Abhängigkeit spricht man, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei der folgenden Merkmale gleichzeitig auftreten:
starkes Verlangen oder innerer Zwang zum Konsum,
Kontrollverlust über Menge, Dauer oder Beginn des Konsums,
Toleranzentwicklung: ständig steigender Bedarf,
körperliche Entzugssymptome,
Vernachlässigung anderer Interessen und Verpflichtungen,
fortgesetzter Konsum trotz negativer Konsequenzen.
Diese Kriterien sind in der Medizin Grundlage der Diagnose – und spielen auch in der MPU eine bedeutende Rolle.
Warum dieses Wissen für die MPU entscheidend ist
Eine MPU wird nicht bestanden, indem man einfach abstinent ist. Entscheidend ist, ob jemand versteht,warum und wie sein Konsum außer Kontrolle geraten ist, welche Mechanismen dahinterstehen und welche Strategien entwickelt wurden, um dauerhaft stabil zu bleiben. Die Gutachter erwarten Reflexion statt Rechtfertigung. Wer erklären kann, wie Dopamin, Kontrollverlust und Gewöhnungsprozesse zusammenspielen und was heute anders ist, zeigt Veränderungsfähigkeit und Prognosestabilität.
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