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MPU ohne Abstinenz

MPU ohne Abstinenznachweis – Was ist realistisch möglich und wann?

Die Frage, ob eine MPU ohne Abstinenznachweis bestanden werden kann, wird von Betroffenen besonders häufig gestellt. Tatsächlich ist die Antwort differenziert: Eine MPU kann unter bestimmten Voraussetzungen ohne Abstinenznachweise erfolgreich absolviert werden – allerdings nicht in jedem Fall und niemals durch bloßes „Aussitzen“ oder unkritische Behauptungen.

Entscheidend ist die Begutachtungsleitlinie zur Kraftfahreignung, nach der Gutachter auf Grundlage wissenschaftlich definierter Hypothesenmodelle einschätzen, ob Abstinenz oder kontrollierter Konsum erforderlich ist.

Wann ist eine MPU ohne Abstinenz-nachweis möglich?

Eine MPU kann ohne Abstinenznachweis bestanden werden, wenn keine Hinweise auf Abhängigkeit, regelmäßigen Konsum oder Kontrollverlust vorliegen – und die Ursachen des Vorfalls nachvollziehbar aufgearbeitet wurden.

Typische Beispiele, in denen ein Abstinenznachweis nicht zwingend erforderlich ist:

✔ MPU wegen Punkten oder Verkehrsdelikten ohne Substanzbezug

Hier stehen Verhaltensänderung, Verantwortung und Rückfallmanagement im Vordergrund – Abstinenz ist nicht relevant.

✔ Alkohol-MPU mit A3-Hypothese (kontrolliertes Trinken)

Wenn der Alkoholvorfall auf gelegentlichen Konsum ohne Kontrollverlust zurückzuführen ist, kann kontrolliertes Trinken eine fachlich anerkannte Alternative zur Abstinenz darstellen.

✔ Drogen-MPU bei
D-Hypothesen mit experimentellem Konsum

Bei einmaligem oder experimentellem Cannabiskonsum kann die MPU ohne Abstinenznachweis möglich sein – jedoch nicht bei harten Drogen und nicht bei regelmäßigem Konsum.

Wichtig: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf eine MPU ohne Abstinenz. Der Nachweis stabiler Veränderungsprozesse ist zentral.

Kontrolliertes Trinken – wissenschaftliche Grundlage der A3-Hypothese

 

Die A-Hypothesen bei Alkohol unterscheiden zwischen verschiedenen Konsummustern. Die A3-Hypothese („gelegentlicher Konsum, kein Kontrollverlust“) kann eine MPU ohne Abstinenz ermöglichen, wenn kontrolliertes Trinken professionell begründet und stabil umgesetzt wurde.

Kontrolliertes Trinken beinhaltet u. a.:

  • verbindliche persönliche Konsumgrenzen (z. B. max. 20–30 g Reinalkohol pro Tag bzw. Wochenlimit)

  • mindestens 2–4 alkoholfreie Tage pro Woche

  • absolute Trennung von Alkohol und Fahren

  • klare Rückfallprävention und Selbstkontrollstrategien

  • reflektierte Auseinandersetzung mit Ursachen, Auslösern und Konsequenzen

Ein bloßer Satz wie „Ich trinke weniger“ ist nicht ausreichend.
Gutachter erwarten beweisbare, gelebte Verhaltensänderungen, häufig über Tagebuch, Kalender oder Coachingberichte.

D-Hypothesen bei Drogen – realistische Anforderungen

Im Bereich Drogen existiert ein wissenschaftliches Hypothesensystem, das den Konsumcharakter einordnet. Dieses dient der Gefährdungs- und Rückfallrisikoanalyse.

HypotheseEinordnungMPU ohne Abstinenznachweis realistisch?

D1Drogenabhängigkeit❌ Nein – langfristig belegte Abstinenz zwingend

D2regelmäßiger / problematischer Drogenkonsum❌ in der Regel Abstinenznachweis erforderlich

D3gelegentlicher Cannabis-Konsum, kein Kontrollverlust, saubere Trennung zum Fahren⚠️ theoretisch möglich, aber hohe Anforderungen

D4experimenteller / einmaliger Konsum✔ möglich ohne Abstinenz bei nachvollziehbarer Aufarbeitung

Wichtige Einschränkungen

  • Bei sogenannten harten Drogen (Kokain, Amphetamine, Opiate, MDMA, Methamphetamine etc.) gilt Null-Toleranz. Selbst einmaliger Konsum führt fast immer zur zwingenden Abstinenzforderung.

  • Ohne objektiven Nachweis bleibt jegliche Aussage über Drogenkarenz behauptungsbasiert, daher sehr kritisch.

Forensische Anforderungen an Abstinenznachweise

Wenn Abstinenz gefordert ist, gelten verbindlich:

  • DIN ISO EN 17025 – forensische Akkreditierung

  • unvorhersehbare Termine innerhalb von 24 Stunden

  • manipulationssichere Probenentnahme

  • Analyse gemäß GTFCh-Standards

  • Prüfung aller relevanten Substanzen und Ausweichmittel

Hinweis: Bei MPU-Süd werden keine Abstinenznachweise durchgeführt.

Fazit – MPU ohne Abstinenznachweis ist möglich, aber nicht selbstverständlich

Eine MPU ohne Abstinenz ist realistisch, wenn:

  • keine Abhängigkeit oder regelmäßige Einnahme vorliegt

  • es sich um A3-Fälle mit kontrolliertem Trinken handelt

  • ein einmaliger/ex-perimenteller Drogenkonsum aufgearbeitet wurde

  • Ursachenanalyse und Veränderungsprozess fachlich überzeugend dargestellt werden

Sie ist nicht möglich, wenn:

  • Abhängigkeit oder Kontrollverlust vorliegt

  • harter Drogenkonsum dokumentiert ist

  • wiederholter Konsum ohne Veränderungsnachweis besteht

Professionelle Vorbereitung erhöht die Erfolgschance

Gutachter bewerten Einsicht, Verantwortung und Veränderung – nicht Auswendiglernen.
Eine fundierte Vorbereitung mit Verkehrspsychologen verbessert die Erfolgsaussichten deutlich

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