War mein früherer Konsum riskant? Ein Blick auf das Trinken in Deutschland
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Viele Menschen, die sich auf eine MPU vorbereiten, stellen sich irgendwann dieselbe Frage: War mein früherer Konsum eigentlich schon riskant, oder habe ich einfach getrunken wie alle anderen auch? Diese Frage lohnt einen genaueren Blick, denn gesellig trinken und risikoarm trinken sind zwei verschiedene Dinge.
Warum wir überhaupt trinken
Alkohol wird in Deutschland meist in Gesellschaft konsumiert. Deshalb spielt neben der reinen Wirkung des Alkohol auch die soziale Bedeutung des Trinkens eine große Rolle. Manche Menschen trinken, um sich zu entspannen oder in Stimmung zu kommen. Andere trinken vor allem, weil Alkohol zu bestimmten Anlässen dazugehört: zum Stammtisch, zur Geburtstagsfeier, zum Feierabend mit Kollegen.
Wer sich an die ungeschriebenen Regeln dieser Runden hält, bleibt lange unauffällig. Genau das macht die Sache schwierig. In einer Umgebung, in der hohe Trinkmengen als normal gelten, fällt ein zunehmender Konsum kaum jemandem auf, oft nicht einmal einem selbst.
Der Trugschluss beim "sozialen Trinken"
Wenn Studien vom sozialen Trinken sprechen, meinen sie damit lediglich, was ein Großteil der Bevölkerung tatsächlich trinkt. Das ist keine Aussage über Gesundheitsrisiken. Der bundesweite Pro-Kopf-Verbrauch an Reinalkohol liegt bei rund zehn Litern im Jahr. Umgerechnet sind das etwa 30 Gramm täglich für die trinkende Bevölkerung. Damit bewegt sich schon der gesellschaftliche Durchschnitt in einem Bereich, den Suchtmediziner als riskant einstufen. "Das trinken doch alle" ist deshalb kein brauchbarer Maßstab für die eigene Sicherheit.
Klare Grenzwerte statt Bauchgefühl
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat auf Basis von Langzeitstudien feste Grenzwerte veröffentlicht, an denen sich der eigene Konsum einordnen lässt:
Risikoarm: bis 24 Gramm Reinalkohol täglich bei Männern, bis 12 Gramm bei Frauen. Das entspricht etwa drei Litern Bier oder eineinhalb Flaschen Wein pro Woche bei Männern, bei Frauen der Hälfte davon. Zusätzlich gilt: kein Rauschtrinken, also nie mehr als fünf Gläser an einem Tag, und maximal fünf Trinktage pro Woche.
Riskant: 24 bis 60 Gramm täglich bei Männern, 12 bis 40 Gramm bei Frauen.
Gefährlich: 60 bis 120 Gramm täglich bei Männern, 40 bis 80 Gramm bei Frauen.
Hochkonsum: über 120 Gramm täglich bei Männern, über 80 Gramm bei Frauen.
Zur Orientierung: Ein Liter Bier mit fünf Volumenprozent enthält etwa 40 Gramm Reinalkohol, eine Flasche Wein mit 0,75 Litern etwa 80 Gramm. Auch der Rausch selbst liefert Anhaltspunkte. Eine Blutalkoholkonzentration von 0,3 Promille wird meist deutlich wahrgenommen. Ab 0,5 Promille zeigt sich eine klare Wirkung. Zwischen 0,8 und 1 Promille treten üblicherweise Ausfallerscheinungen auf.
Bleiben diese Anzeichen aus oder zeigen sie sich erst sehr spät, deutet das auf eine erhöhte Alkoholtoleranz hin. Diese gilt selbst als Risikomerkmal.
Was das für die MPU-Vorbereitung bedeutet
In der MPU geht es nicht darum, sich als geselligen Trinker zu rechtfertigen. Es geht darum, das eigene frühere Trinkverhalten realistisch einzuordnen. Wer die eigenen Trinkmengen anhand dieser Grenzwerte ehrlich durchrechnet, bekommt oft ein klareres Bild als durch den Vergleich mit Freunden oder Kollegen.
Das ist ein wichtiger erster Schritt für eine glaubwürdige Selbstreflexion, wie sie Gutachter in der MPU erwarten.
Die Bedeutung der Selbstreflexion
Selbstreflexion ist ein zentraler Bestandteil der MPU-Vorbereitung. Sie hilft, das eigene Verhalten zu verstehen und zu bewerten. Es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um über den eigenen Konsum nachzudenken.
Fragen, die man sich stellen sollte:
Wie oft trinke ich?
In welchen Situationen greife ich zum Alkohol?
Was fühle ich, wenn ich trinke?
Diese Überlegungen können helfen, ein klareres Bild von den eigenen Trinkgewohnheiten zu bekommen.
Die Rolle der sozialen Umgebung
Die soziale Umgebung hat einen großen Einfluss auf das Trinkverhalten. Wenn Freunde oder Kollegen viel trinken, kann es leicht passieren, dass man selbst ebenfalls mehr konsumiert. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein.
Manchmal ist es hilfreich, mit Freunden über den eigenen Konsum zu sprechen. Offene Gespräche können dazu führen, dass man sich gegenseitig unterstützt und verantwortungsbewusster mit Alkohol umgeht.
Strategien für einen verantwortungsvollen Konsum
Es gibt verschiedene Strategien, um den eigenen Konsum zu reduzieren. Hier sind einige Tipps:
Setze dir klare Grenzen: Bestimme im Voraus, wie viel du trinken möchtest.
Trinke langsam: Nimm dir Zeit für dein Getränk. So kannst du deinen Konsum besser kontrollieren.
Wechsel die Getränke: Trinke zwischen alkoholischen Getränken auch Wasser oder alkoholfreie Alternativen.
Vermeide Trinkspiele: Diese fördern oft einen übermäßigen Konsum.
Fazit
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Trinkverhalten ist entscheidend für die MPU-Vorbereitung. Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und die eigenen Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen. Nur so kann man sich auf die MPU vorbereiten und die Chancen auf eine positive Entscheidung erhöhen.
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